Die Moorlandschaft
Fulensee liegt zuhinterst im Erstfeldertal unterhalb der mächtigen
Bergketten von Krönten und Spannort. Sie ist nur von wenigen Pfaden
erschlossen und gehört zu den natürlichsten Moorlandshaften der Schweiz. In
zwei treppenartig übereinanderliegenden Karmulden breiten sich unberührte
Hoch- und Flachmoore, Schwingrasen, Seen und Tümpel aus und bilden in der
gebirgigen Umgebung ungewöhnlich weite Ebenen. Frei mäandrierende Bäche
durchziehen die Moore und ergiessen sich in Ober- und Fulensee. Die Vielfalt
an Moortypen ist gross. Nebst einem Hoschmoor mit besonders schönen
Schlenken- und Rüllenvegetation finden sich saure Kleinseggenrieder und
asugedehnte Schwingrasen. Die drei wichtigsten entstehungsarten von Mooren
im Hochgebirge sind hier vertreten. Die Moore kommen im Verlandungsgürtel
eines Stillgewässers, auf kristallinem Felsuntergrund zwischen Rundhöckern
und auf einer Schwemmebene vor.
Einbesonders idyllisches Gebiet ist das untere
Kar mit dem Fulensee. Der fein verästelte Moorsee ist von seltenen
Schwingrasen umgeben, an welche Hoch- und Flachmoore anschliessen. Es wird
vermutet, dass sich hier der grösste zusammenhängende Bestand von
Blumenbinse in der Schweiz befindet. Das Hochmoor von Stäfeli besteht
gänzlich aus primärer, das heisst unberührter Fläche, was auf dieser
Höhenstufe in den Zentralalpen selten ist. Der Fulbach fliesst in Windungen
durch die Moore, sich stellenweise in mehrere Arme aufteilend.Für die
Moorlandschaft typisch ist das kleinräumige Nebeneinander verschiedenster
Vegetationsformen der alpinen bis nivalen Stufe wie Flachmoore, Legföhren-,
Grünerlen- und Heidelbeerbestände, vegetationslose Rundhöcker, alpine Rasen
und Pioniergesellschaften auf Schutt, Fels und Schwemmmaterial.
Fulensee gehört zu den jüngsten Moorlandschaften in der Schweiz, war sie doch bei den letzten Gletschervorstössen um 1850 noch ganz von Eis bedeckt und setzte die Moorbildung erst in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts ein. Die Arbeit des Eises hat lehrbuchartig schöne Reliefformen geschaffen, von denen viele die Moorbildung erst ermöglicht haben. Steilwandige Hänge umgeben die flachen Karböden mit den Seen, Verlandungs- und Schwemmebenen, ein Wasserfall ergiesst sich von einer Karstufe ind die andere. Die Karschwellen aus Gneis liegen höher als die übertieften Becken und sind von Rundhöckern übersäät. Die Terrassen zwischen den Hügeln beherbergen Moore und Tümpel. Auch heute noch entstehen neue Flächen, auf welchen sich Moorvegetation einstellt, wie zum Beispiel die Schwemmebene beim Obersee. Die Dynamik des Gletscherbaches ist hier in ursprünglicher Weise erhalten geblieben und schaft stets von neuem Kies- und Sandbette zwischen den älteren Schuttbänken mit Flachmooren.
Neben der Qualität der Moore und der Reliefformen bildet die Intaktheit der Landschaft einen besonderen Wert. Ausser der Kröntenhütte finden sich keine Bauten und Anlagen. Fulensee gehört trotz ihrer geringen Grösse zu den vielfältigsten Moorlandschaften der Hochalpen und ist als eine der schönsten Kar-Moorlandschaften anzusehen.
